| blueFACTORY Kultur

ERWEITERUNG DES KULTURBEGRIFFS

 

Im März 2018 nahm der Freiburger Künstler Martin Schick seine Tätigkeit auf als Kulturmanager in der blueFACTORY, eine Position initiiert von der Stadt Freiburg in Zusammenarbeit mit der BFF SA. Die Inklusion eines Vertreters aus der Kultur im Team der BFF SA folgt der Absicht, den Geist der Innovation mit einem künstlerischen Ansatz und einer partizipativen und gemeinschaftlichen Kultur zu stärken. Das Quartier im Wandel soll ausserdem für die Stadtbewohner.innen zugänglich gemacht werden und diese wiederum in die Gestaltung dessen einschliessen und im Gegenzug inspirieren. In diesem Zusammenspiel entsteht ein gelebtes Stadtlabor (living laboratory) mit vielen Potentialen, in dem Kreation ganz nah am Endbenutzer stattfindet, in dem Projekte und Macharten erfunden und getestet werden, die dann in die Stadt und über die Region hinaus wachsen können.

Das gängige Kulturverständnis muss sich hier zwangsläufig erweitern: Kultur* nimmt Abstand davon, als Dekoration oder Unterhaltung gesehen und genutzt zu werden. Weit darüber hinaus soll die Kultur die Basis dieses Quartiers mitgestalten und die verschiedenen (anderen) Elemente und Einheiten, die sich der Innovation verschreiben, miteinander verbinden. Hybridität, Transversalität und Mitverantwortung bei der Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft ist ihre Grundsubstanz. Hinzu kommt eine systemische Herangehensweise, durch den die lokale Produktion mit aussenstehenden Trends und Einflüssen in Verbindung gebracht wird: Künstlerische, soziale und unternehmerische Aspekte kommen hier zusammen. In gemischten Arbeitsgruppen der Disziplinen und Sektoren sollen Herausforderungen der Zukunft antizipiert oder gar umgestaltet werden. 

* Im Selbstverständnis von Pluralität und Diversität müsste hier eigentlich “Kulturen" in Mehrzahl stehen, denn eine (einzige) Kultur als solches soll und darf es nicht geben. 

 

ZWISCHENNUTZUNG

 

In einer ersten 3-jährigen Phase lag der Hauptfokus für das Kulturmanagement in der Öffnung, Programmation und Aufwertung des postindustriellen Geländes, das immer noch das Potenzial und den Charme des dessen in sich trägt. Das Konzept einer Perma-Kultur - eines kulturellen Ökosystems mit möglichst grosser Vielfalt und Querverbindungen - wurde entwickelt und umgesetzt. Prinzipien und Logiken wurden hier der Permakultur aus der Landwirtschaft entlehnt und an das bestehende Terrain angepasst. Diese Praxis wurde zu einem Modell formuliert und kann in andern Institutionen angewandt werden. 

Diese Phase der temporären Nutzung löst sich nach und nach mit dem Bau neuer Gebäude und dem Umbau bestehender Anlagen auf. Eine zweite Phase der Implementierung von Kultur im Quartier ist angesagt, die sich - anders als die Zwischennutzung - in die DNA des zukünftigen Stadtteils einschreiben soll. 

 

INS DAUERHAFTE

 

Die Kultur in der blueFACTORY wird ab 2021 von 3 thematischen Kollaborationsplattformen getragen. Diese definieren und organisieren langfristig die kulturellen Aktivitäten im Innovationsquartier : 

SOIN - Social Innovation

CENT - Cultural Entrepreneurship

TEAR - Technologies & Art

 

Die drei Plattformen verbinden bestehende und neu zu initiierende Institutionen, Veranstaltungen und Projekte, bilden Partnerschaften nach außen und stärken die Zusammenarbeit zwischen all diesen Akteuren. 

Jede Plattform ist physisch in einem Gebäude auf dem Gelände situiert, während die Aktivitäten dieser Plattformen temporär auch dezentral stattfinden können. Die Finanzierung wird parallel geführt und verfügt über eine autonome, aber dynamisch koordinierte Führung über die BFF SA. 

Die Plattform SOIN versucht die Kräfte verschiedener Akteure im Umgang mit sozialer Innovation zu bündeln und notwendige Tools und Projekte für das Gemeinwesen und der Sozialen Arbeit zu entwickeln und testen. Die Ergebnisse sollen das soziale Gefüge in der Regionstärken und widerstandsfähig machen und überregional ausstrahlen und inspirieren. Das erste Resultat der Plattform war die Essensverteilung von Recuper-Action im Zusammenspiel mit der HETS-FR entstand, welche aus einem notwendigen Umstand in kürzester Zeit auf die Beine gestellt wurde und nun im FriSon weitergeführt wird. 

Die Plattform CENT widmet sich dem kulturellen Unternehmertum mit 2 massgebenden Projekten:  1) Das Programm Rampe21 (in Partnerschaft mit FriUp), welches pro Jahr 5-10 Kulturprojekte mit einer unternehmerischen Komponente begleitet. 2) Das experimentelle Arbeitsumfeld TRNSTN WORKS in Zusammenarbeit mit dem Institut Transform und der HEG-FR. 

TEAR - als dritte Plattform - ist der Zusammenschluss von verschiedenen Akteuren, die sich mit Kunst und Technologie(n) auseinandersetzen und in diesem Bereich Formen der Mediation anstreben. Im Moment gibt es keinen fixen Ort für diese Schnittfläche und die Projekte verteilen sich auf dem Gelände: smem, TRNSTN RADIO, GATE und Unlearning Center. 2021 sind im Unlearning Center 3 Einzelkünstler und 3 Künstlergruppen in Residenz, davon 3 lokale und 3 aus einem internationalen Kontext. 

 

ZAHLEN

(blueFACTORY Kultur im 2019)

1 Quartier

15 Räume für Kulturevents

345 Tage mit Aktivitäten 

401 Events, davon:

385 Veranstaltungen mit freiem Eintritt

27‘347 Besucher.innen

10‘042 Besuche auf der Webseite (culture)

3290 Abonnent.innen auf den sozialen Medien 

241 Künstler.innen aus dem Kanton im Programm, davon: 

25 KünstlerInnen aus der Deutschschweiz

39 KünstlerInnen aus der Romandie

46 internationale Künstler.innen

35 Partner.innen (institutionnell) aus der Region

21 internationale (institutionnelle) Partner.innen 

100‘000 CHF budgetiert, wovon: 

50‘000 CHF beigetragen von der Stadt Fribourg, das heisst: 

0,02 % des jährlichen Budgets der Stadt

70‘000* CHF zurück-investiert in den Kanton

0,95** % Vollzeitstellen

13‘977 Stunden unbezahlte Arbeit (alle Projekte)

(*chiffre estimée **BFF SA 70% & smem 25%)

 

KULTURELLE PLAYER IM QUARTIER

(permanent)

• NeighborHub (les ami.e.s du hub)

• Velosalon – Pignon sur Strass

• Pro Vélo Fribourg

• Stemutz (studio photo)

• GATE performance space

• Veloservice Harald Kust

• Case-à-Stock (bibliothèque d'objets)

• smem / Playroom

• Atelier La Canette

• Constructlab

• Cyclotone

• Public Domain (skate park)

• TRNSTN RADIO

• TRNSTN (Association)

• Kulturagentinnen Fribourg & Bern

• Sous-marin jaune

• Alexis Thiémard

• Collectif Point 76

• Fablab

• Ressourcerie

• Pôle d’été / Charrettes

• Freegan Suisse (foodlab)

• Madame Frigo

• Ciboulette (food truck)

• Kollektif Horties (bureau de médiation culturelle avec Fanny Delarze et Esther Tellenbach)

• Feldermelder (studio)

• Xocolat (résidence TEAR)

• Benu Zitz & Jocelyn Raphanel (résidence TEAR)

• Grenier Volant (distribution alimentaire)

• HETS stagier*e

• Compost Club

 

(temporaire)

• Projet Saunana (Rampe21)

• Lulo atelier de bien-être (Rampe21)

• Guillaume Prin – remorque théâtre

 

ANSONSTEN ...

Der Kulturmanager ist seit 2019 Mitglied des Netzwerks RESHAPE (Reshape is an international task force with artists and cultural workers who create alternative models of working together, initiated by CREATIVE EUROPE http://reshape.network) und repräsentiert blueFACTORY innerhalb dieses Verbunds. 

Martin Schick ist Mitglied des Komitees VEREIN C, dem Verbund der Freiburger Kulturinstitutionen, und vertritt die Ansichten von blueFACTORY, die in ihrer Struktur als Privatfirma nicht offizielles Mitglied sein kann. 

Die Aktivitäten von blueFACTORY culture sind ermöglicht dank einem Beitrag der Stadt Freiburg!